Dienstag, 11. November 2008

Die Chilenische Seite der Atacama, 16.Oktober 2008

Das frühe Aufstehen nimmt kein Ende, auch heute warten wir wieder im Dunkeln auf einen Bus.
Um 6 Uhr fahren wir hoch zu den Geysiren von El Tatio.


Nach langem Geschaukel über Sand- und Steinpisten kommen wir in einer großen Kratercaldera an, in der es überall dampft zischt und blubbert.









Irgendwie erscheinen hier die Dampffontänen mehr auf Touris ausgerichtet, da sie sich fotogener präsentieren und weniger stinken. Bolivien ist einfach etwas rustikaler, Chile halt preussig organisiert, mit einem Sinn für's Praktische, die Milch zum Frühstück wird geothermisch erwärmt.






Auf dem Rückweg nach San Pedro halten wir in einem kleinen Indiodorf, indem die Zeit stehengeblieben ist. Doch auch hier wirkt alles mehr aufgeräumt als auf der anderen Seite der Kordillieren.







San Pedro hat eine interessante kleine Kirche mit einer schönen "Knüppelholzdecke".






Nach den 4 Tagen Wüste geniessen wir den Nachmittag in der Zivilisation. Elke spaziert durch den Ort und ich schau mal so im Internet nach Mails, dem Blog und was der FC Kaiserslautern so macht (vielen Dank an http://www.der-betze-brennt.de und http://www.fanini.de)


Den Abend verbringen wir in einem der hübschen Restaurants in San Pedro. Im Innenhof brennt ein großes offenes Feuer, ... der Wein kommt gut.

Montag, 10. November 2008

Nepomuk's Badewanne und der perfekte Vulkan, 15. Oktober 2008

Noch im Halbdunkel geht’s los zum Geysirfeld Sol del Manana, mit 5000 m dem höchstgelegenen der Welt.


So sieht also der Eingang zur Hölle aus, viel heisses Wasser und Schwefelgeruch.
Oder ist dies die "Ebene der Vulkane" aus Michael Endes Kinderbuch: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, und gleich sehen wir Nepomuk den kleinen Halbdrachen?



Wir holen unser heisses Bad des Vortages in einem kleinen Badebecken mit angenehm warmen Wasser nach. Eigentlich wollen wir nicht mehr raus, denn die Luft ist noch empfindlich kalt.






In Richtung Grenze nach Chile sehen wir den perfekt geformten Kegel des Vulkan Lincancabur, der sich in der Laguna Verde spiegelt.
In der sich anschliessenden Laguna Blanca bilden Flamingos wieder leuchtende Farbtupfer.






Die bolivianische Grenzstation ist wieder ein Highlight unseres Kopfkinos. Mitten in der Einöde eine Hütte und ein Schlagbaum.
Der Grenzer verlangt 15 $ für die Ausreise, dafür gibt er sich aber Extra-Mühe mit dem Stempel.










Auf der chilenischen Seite kommt erst lange nichts, dann beginnt der Abstieg nach San Pedro de Atacama auf einer gut ausgebauten Asphaltstrasse, die sich mit endlosen Leitplanken gegen die Wüste abgrenzt.
An der chilenischen Grenzstation wird unser Gepäck hochnotpeinlich von der SFAC nach Orangen, Cocablättern und kleinen Tieren untersucht, damit kein fremdes Gemüse in das "saubere" Chile eingeführt wir.


San Pedro ist wiederum ein hübsches, sehr gut auf Touristen eingerichtet Örtchen mit wirklich schönen Kneipen und Restaurants im "Westernstil".


Bilder Farben Licht - Die Wüste der Flamingos, 14. Oktober 2008

Heute geht es in die Siloli Wüste, hoch auf 4.500 m, Steine, Sand, Vulkane, ganz wenig Vegetation, ab und zu ein paar Vikunias.

Die Farben und Formen sind faszinierend. Und dann in dieser absoluten Einöde eine Lagune mit Flamingos.




Bilder, Farben und Licht, wie sie uns nicht mal Lawrence von Arabien zeigte.




Hinzu kommen die bizarren Gesteinsformationen, die durch Winderosion entstanden sind.



Am Abend kommen wir an der Laguna Colorado an.




Die Nachtunterkunft ist noch „einfacher“ als gestern, das Wasser ist kalt und eine Dusche gibt’s erst recht nicht. Dafür dürfen wir morgen schon um 5 Uhr aufstehen.

Salar de Uyuni - 13. Oktober 2008

Früh am Morgen werden wir von einem Jeep abgeholt und machen uns mit unseren Mitreisenden bekannt.
Alexandra kommt aus Ungarn und reist schon seit ein paar Monaten allein durch Latinoland, ebenso wie Hans, der Holländer aus Haarlem. Komplett ist die Mannschaft mit Susanne aus Berlin-Alt Glienicke und ihrer Freundin Thelma, einer Mineningenieurin aus Bolivien. Unser Fahrer spricht kaum Englisch, daher hat Susanne den Platz neben ihm eingenommen und übersetzt, der Rest der Unterhaltung ist ein Gemisch aus Spanisch, Englisch und Deutsch.

Zunächst fahren wir zum Eisenbahnfriedhof, in der die Geister aus der Nacht ihre letzte Ruhe gefunden haben bei Sand, Salz und den Überreste der bolivianischen Eisenbahntradition. Der Italowestern ist nicht eine Fiktion, hier wird er Realität und der Wind spielt das Lied vom Tod.




Wir fahren raus auf den Salzsee, eine große weite, weiße Fläche, flach und Salz, überall Salz. Darüber der unendliche blaue Himmel, die schneebedeckten Andengipfel als Kulisse.



Die Luft ist klar, die Sonne brennt und dennoch weht ein kühler Wind. Wir halten an, die Salzfläche bildet große Wabenmuster. Die kleinkristalline Struktur des NaCL bildet sich auch im großen ab, Ordnung selbst im Chaos der Wüste.

Und der Holländer steigt auf einen "Berg".




Kurze Rast am Salzhotel, einer Touristenattraktion, die spartanischen Komfort mit gesalzenen Preisen verbindet.





Über Mittag sind wir auf der Isla Incahuasi, faszinierend ist es diesen Felsen im Salz zu sehen mit seinen riesigen Kakteen.




Dann weiter über den Salzsee, bis zu unserer Nachtunterkunft, einer einfachen Herberge mit einem Schlafsaal für die ganze Gruppe und warmes Wasser nur heute abend für eine halbe Stunde. Der Spaziergang im Ort ist wieder ein Treffen von Filmkulissen für ein Remake von „Eine Handvoll Dollar“.

Das Kirchlein und sein Umfeld sind Realität, der Sonnenuntergang entfacht die Phantasie.

Bevor am Abend der Strom abgestellt wird, zeigt Susanne, alias Frau Hahn (www.Frau-Hahn.de) noch einen Auszug aus ihrem Programm Altberliner Chansons.
Das ganze ist skurril in dieser Umgebung, aber hat was.

Fahrt zurück ins 19. Jahrhundert - Von La Paz nach Uyuni 12. Oktober 2008

Wir verlassen LaPaz mit einem Bus Richtung Oruro, im Süden des Altiplano.











 

Der Busbahnhof ist im Gegensatz zu Quito lichdurchflutet und fast schon künstlerisch ist die Gußstahlhalle im viktorianischen Stil. Eine alte Zollstation wurde hier wirklich positiv einer neuen Nutzung zugeführt.





Der Bus fährt zunächst nach El Alto, dort beginnt dann das Chaos, das wir in LaPaz schon erwartet hatten. Leute steigen zu und wieder aus, Händler drängen sich durch den Bus, eine alte Indianerin setzt sich mitten in den Gang auf ihren Sack Zwiebeln und kaut Cocablätter. Die Fahrt geht über die endlose Eintönigkeit des Altiplano, einer eiszeitlichen Schwemmlandebene, auf der die Gletscher eine nicht überschaubare Menge von Schutt abgeladen haben. Vereinzelt zeigen sich Dörfer, in der die Zeit stehen geblieben ist. Die Busreise wird untermalt von einem furchtbar lauten amerikanischen Schmalzvideo mit spanischen Untertiteln. Ich selbst höre im Kopfhörer Folkrock und sehe Butch Cassady und Sundance Kid neben uns über die Ebene reiten, verfolgt von den Pinkerton Detektiven.

Die Strasse führt einfach nur gerade aus, rechts ein paar Hügel , links die schneebedeckten Andengipfel. Ein paar Rinder, Schafe und ab und zu ein Esel teilen die Eintönigkeit mit den Menschen, die hier auf 4000 m Höhe versuchen dem Boden ein paar Früchte abzugewinnen.


Wir kommen nach Oruro, und fahren durch ein „Industriegebiet“, das aus einer unregelmäßigen Abfolge von Schrottplätzen und Abfallsortieranlagen zu bestehen scheint. Überall Dreck und Abfall. Trauriger Höhepunkt ist ein großer Abfallcontainer in dem sich Hunde und ein Junge die Suche nach Eßbaren teilen.
In Ururo steigen wir schon am späten Abend in den Zug der bolivianischen Eisenbahn. Der Bahnhof ist volle Nostalgie, der Zug selbst eine Zeitreise 100 Jahre zurück. Einziges Zugeständnis an die Moderne ist eine Diesellok und ein Fernseher, der erst die Latinohitparade und dann eine Liebeslovestory aus dem Hollywoodrepertoire zeigt.




Doch dann ist Ruhe und wir schauckeln durch die Vollmondnacht, halten an Geisterbahnhöfen und rollen durch den Staub der Wüste. „Riders in the Storm“ kommt mir in den Sinn und plötzlich sehen wir im Mondlicht auch die Gestalten auf ihren fahlen Pferden und den langen wehenden Mänteln durch die Nacht reiten.
Um die Szenerie komplett zu machen bietet uns ein Quasimodo der Bolivarbahn einen Imbis und Mate de Coca an.
Die Ankunft in Uyuni um 2 Uhr in der Nacht ist dann kalt und unangenehm. Unser Pick-Up Service hat anscheinend verpennt und wir stehen nach 10 Minuten ziemlich allein an diesem Bahnhof am Ende der Welt.
Ein anderer Fahrer bietet sich an uns ins Hotel zu fahren, nach einigem Zögern stimmen wir zu und wir werden heil und sicher zu unserer Unterkunft gebracht. Dort wird uns nach lautem mehrmaligem Klopfen dann aufgemacht und wir haben zu unserer Überraschung ein ganz nettes Zimmer mit warmer Dusche.

Mondtal und Morales - La Paz 11. Oktober 2008

Morgens werden wir wieder von unserer Reisebegleitung abgeholt und machen einen Ausflug ins Valle de la Luna, das Mondtal, eine eigenartige Landschaft entstanden durch Wasser- und Winderosion.

Beim Wandern durch die bizarren Formationen aus Sand sieht man immer neue Arrangements aus Zauberfiguren und Fabelwesen.

Auf dem Weg zurück ins Zentrum halten wir an einem Aussichtspunkt und haben den vollen Überblick auf diese Stadt, deren einzig Friedvolles ihr Name ist, wie uns unsere Begleiterin erzählt.


Beim Spaziergang um den Hauptplatz mit Kathedrale und Präsidentenpalast können wir die Einschußlöcher noch sehen, die von der Auseinandersetzung zwischen Militär und Polizei 2003 herrühren, in deren Folge der Präsident „Goni“ de Lozada dann gestürzt wurde. Ebenso können wir die Laterne vor dem Präsidentenpalast "bewundern" an der Präsident Gualberto Villarroel López am 21. Juli 1946, nachdem der Präsidentenpalast gestürmt worden war, sein Leben an einem Strick aushauchte.

Evo Morales hat sich also einen gefährlichen Arbeitsplatz ausgewählt und wird auf der einen Seite fast wie ein Heiliger verehrt, was wir an den Zeichnungen und Plakaten insbesondere auf dem Altiplano sehen können, aber auch abgrundtief verachtet. In politischen Fragen scheint es in Bolivien keinen Kompromiss zu geben.

Dagegen ist die Koexistenz der Gegensätze den Bolivianern keineswegs fremd. Dies wird im Viertel des Hexenmarktes deutlich, das direkt neben unserem Hotel liegt. In den Ständen und Läden werden alle Dinge, die man so für die tägliche Magie braucht, angeboten.
Ein handelsüblicher Geistergabenteller, den man je nach Zweck mit den Abbildern der gewünschten Effekte garniert, besteht als Basis immer aus kleinen Zucker und/oder Salzfiguren, Kräutern und einem getrockneten Lamafötus.

Aber auch Heiligenbildnisse und diverse Pülverchen zur Stärkung der Lendenkraft oder des Verlangens sind frei erhältlich und werden im gleichen Regal angeboten. Schwarze und weiße Magie, indigene und christliche Mystik existieren nebeneinander und miteinander.

Christliche Mystik und indigene Geisterwelt vereinen sich auch in den Bildnissen am Portal der Kirche St. Francisco. Die Künstler haben neben die christlichen Heiligen, Inkagötter und die Symbole der Schlange, des Puma und des Kondor gestellt.
So wird die Trinität des christlichen Glaubens in der Dreiteilung der indianischen Weltordnung manifestiert.

Glaubensfest muss man schon sein,
denn auch der weltliche Energiefluss in Form von Strom scheint auch nur mit göttlicher Hilfe zu funktionieren.

Montag, 3. November 2008

Wieder zurück am ÄQUATOR

Wir haben es geschafft. Wir haben unsere grosse Schleife durch Südamerika fast beendet und sind zurück in Quito.

Viel haben wir seit der letzten Meldung vom Fin del Mundo in Ushuaia auf Feuerland erlebt. Vier Tage sind wir im Schiff rund um Feuerland gefahren, haben das Kap Hoorn besucht und sogar davon einen Stempel im Pass, haben riesige Gletscher gesehen, die mit krachendem Getöse ihre Eisfracht in die See abladen, haben eine der grössten Pinguinkolonien der Welt besucht und sind schliesslich wieder in Punta Arenas an Land gegangen.
Wieder auf chilenischem Boden konnten Elke und ich der Versuchung nicht wiederstehen und sind von Santiago aus in das Weingebiet des Colchuaga- und des Maipu-Tals gefahren und haben uns die Weinpflanzungen dort angeschaut, Bodegas besucht und natürlich ausgiebig probiert.
Kultur kam allerdings auch nicht ganz zu kurz, denn wir haben noch einen Tag am Pazific in Isla Negra verbracht und dort das Haus Pablo Nerudas aufgesucht und bei Charo Cofré und Hugo Arévalo, Freunde von Neruda, in deren Hotel übernachtet.
Nun sind wir wieder in Quito, werden gleich unsere Freunde treffen und nach ein paar Tagen der Ruhe den Heimflug antreten.
Ich hoffe in den nächsten Tagen, dadurch das ich meinen Computer wieder zur Verfügung habe und auch Freizeit genug bleibt, die fehlenden Seiten des Blogs auffüllen zu können, sodass das Reisetagebuch komplett wird.
Vielen Dank für die freundlichen Mails und Posts.
Elke und Markus